Chris­ti­an Laes­ser: DIE ZEIT und das Coro­na­vi­rus

Ein Pro­jekt von Chris­ti­an Laes­ser

Chris­ti­an Laes­ser ist Inter­ac­tion Desi­gner, Spe­zia­list für Daten­vi­sua­li­sie­run­gen – und ZEIT-Abon­nent. Als die Coro­na-Kri­se los­ging, hat­te er den sub­jek­ti­ven Ein­druck, dass das Virus schnell immer mehr Sei­ten “sei­ner” Wochen­zei­tung infi­zier­te, woll­te es aber genau wis­sen. Und hat des­halb eine ein­drucks­vol­le Visua­li­sie­rung gebaut, die zeigt, wie Coro­na zum alles domi­nie­ren­den Nach­rich­ten­the­ma wur­de – und Rück­schlüs­se drauf zulässt, wie wir die Kri­se sehen.

So wur­de die Idee umge­setzt

  1. Die Idee: Als Zeit-Abon­nent und inter­es­sier­ter Medi­en-Kon­su­ment sah Chris­ti­an ab Febru­ar, dass Coro­na lang­sam in den Medi­en zum The­ma wur­de – und das schon lan­ge, bevor man auf der Stra­ße irgend­wel­che Aus­wir­kun­gen sehen konn­te. Span­nend fand er auch: Wer vie­le (Online)-Medien kon­su­mier­te, war ganz anders drauf, als Leu­te, die das nicht taten und noch lan­ge in den Cafes saßen.
  2. Die Wei­ter­ent­wick­lung der Idee: Inzwi­schen ist Coro­na natür­lich das Mega-The­ma, und Medi­en müs­sen dar­über infor­mie­ren – gleich­zei­tig sind mit dem The­ma aber auch vie­le ein­fa­che Klicks zu gene­rie­ren und viel Auf­merk­sam­keit zu erzeu­gen. Des­halb hat das Pro­jekt auch eine klei­ne medi­en­kri­ti­sche Kom­po­nen­te. Was ist Infor­ma­ti­on, und wie viel ist genug? Und wie viel Coro­na-News die­nen eher der “Atten­ti­on Eco­no­my” als den Lesern?
  3. Die Pro­ble­me: Eigent­lich woll­te Chris­ti­an sei­ne Aus­wer­tung für alle Medi­en machen, aber die meis­ten haben kei­ne API, und NewsA​PI​.com, die Medi­en­in­hal­te sam­melt, ist sehr teu­er. Als Zeit-Abon­nent konn­te Chris­ti­an aber auf alle PDF-Aus­ga­ben zugrei­fen. Mit die­sem geschlos­se­nen Kor­pus, der auch noch unver­än­der­bar ist (im Gegen­satz zu Online-Medi­en) und ein fes­tes For­mat hat, ließ sich gut arbei­ten, auch wenn dadurch natür­lich die Brei­te der Stu­die etwas ein­ge­schränkt wur­de.
  4. Die Umset­zung: Mit Python ana­ly­sier­te Chris­ti­an die PDFs, extra­hier­te alle Tex­te und die Text­blö­cke inner­halb einer Sei­te, die er für die Dar­stel­lung brauch­te. Dann muss­te er über­le­gen, wel­che Schlag­wor­te Coro­na-Rele­vant sind – die deut­sche Spra­che war hier ein Vor­teil, da Kom­po­si­ta wie “Coro­na-Pan­de­mie” auch leicht durch den Such­be­griff “Coro­na” ein­zu­fan­gen waren. Dann spiel­te Chris­ti­an ein biss­chen mit den Daten um zu sei­ner Dar­stel­lung zu kom­men, und über­leg­te sich alter­na­ti­ve Dar­stel­lungs­for­men, etwa die Auf­tei­lung nach Res­sorts.
  5. Die nächs­ten Schrit­te: Nach der rein quan­ti­ta­ti­ven Dar­stel­lung müss­te man jetzt noch qua­li­ta­tiv mit den Daten arbei­ten: Ab wann kommt das Wort “Pan­de­mie” zu “Coro­na” dazu? Was ver­än­dert sich wann und war­um in der Dar­stel­lung des Virus? Wann kommt die Ermü­dung, ist das The­ma “durch”? All das kön­nen die rei­nen Zah­len nicht zei­gen. Span­nend wäre auch Aus­wer­tung für ande­re Medi­en oder in ande­ren Län­dern.

Lear­nings

  • Coro­na fin­det bis­her beson­ders im Wirt­schafts­res­sort statt, weni­ger im Feuil­le­ton und zum Bei­spiel gar nicht im Res­sort “Recht & Unrecht”. Wie beein­flusst das unser Ver­ständ­nis der Kri­se? Was sagt das über die Art aus, wie wir die Kri­se sehen?
  • Die deut­sche Spra­che ist für sol­che Ana­ly­sen sehr gut geeig­net.
  • Es ist wich­tig, auch eine Außen­an­sicht auf Medi­en zu schaf­fen, von ande­ren Medi­en­ma­chern, aber auch von Nicht-Jour­na­lis­ten wie Chris­ti­an. Häu­fi­ge­res “raus­zoo­men” kann der bei der Selbst­re­fle­xi­on der Medi­en hel­fen.

Hier geht’s zum Pro­jekt

Wenn ihr mehr erfah­ren, oder euch das Pro­jekt selbst anse­hen wollt, klickt ein­fach hier.

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